2026-07-068 Min. Lesezeit
Hautkrebs-Behandlung: OP, Bestrahlung und Immuntherapie
Wie wird Hautkrebs behandelt? Ein Überblick über Operation, Bestrahlung, Immuntherapie und zielgerichtete Therapien beim Melanom und hellem Hautkrebs.
Veröffentlicht am 2026-07-06 · DermCheck Redaktion
Wie Hautkrebs heute behandelt wird - ein Überblick
Hautkrebs ist nicht gleich Hautkrebs. Hinter dem Begriff verbergen sich mehrere Erkrankungen mit sehr unterschiedlichem Verlauf: der helle, oft weißer Hautkrebs genannte Typ mit Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom sowie der schwarze Hautkrebs, das Melanom. Weil sich diese Formen im Wachstum und in ihrer Neigung, Tochtergeschwülste zu bilden, deutlich unterscheiden, gibt es auch nicht die eine Behandlung. Welche Therapie infrage kommt, hängt von der Art des Tumors ab, von seiner Größe und Tiefe, von der Lage am Körper und vom allgemeinen Gesundheitszustand.
In den letzten Jahren hat sich in der Behandlung viel bewegt, gerade beim Melanom. Die Operation ist nach wie vor das wichtigste Verfahren. Daneben stehen heute die Strahlentherapie, verschiedene örtliche Behandlungen und moderne Medikamente zur Verfügung, die gezielt in das Tumorwachstum oder in das Immunsystem eingreifen. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen werden diese Bausteine häufig miteinander kombiniert.
Über den Behandlungsplan entscheidet in vielen Kliniken ein interdisziplinäres Tumorboard, in dem Fachleute aus Dermatologie, Chirurgie, Onkologie und Strahlentherapie gemeinsam beraten. So lässt sich für jeden Menschen eine möglichst passende Strategie finden. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die gängigen Verfahren. Er ersetzt kein ärztliches Gespräch, in dem Ihre persönliche Situation im Mittelpunkt steht.
Kurz zusammengefasst
Die meisten Hautkrebsformen lassen sich gut behandeln, vor allem wenn sie früh entdeckt werden. Die Operation steht in der Regel an erster Stelle. Beim fortgeschrittenen schwarzen Hautkrebs haben Immuntherapie und zielgerichtete Medikamente die Möglichkeiten in den letzten Jahren spürbar erweitert.
Die Operation: in den meisten Fällen der erste Schritt
Bei den allermeisten Hautkrebsformen ist die Operation der erste und oft entscheidende Schritt. Ziel ist, den Tumor vollständig zu entfernen. Dazu schneidet der Operateur nicht nur den sichtbaren Tumor heraus, sondern auch einen Saum gesund wirkender Haut ringsherum, den sogenannten Sicherheitsabstand. Er soll dafür sorgen, dass keine Tumorzellen zurückbleiben. Wie breit dieser Abstand gewählt wird, richtet sich nach der Art des Hautkrebses und beim Melanom vor allem nach seiner Eindringtiefe.
Das entnommene Gewebe wird anschließend unter dem Mikroskop untersucht. Diese feingewebliche Untersuchung zeigt, um welchen Tumor es sich genau handelt und ob er im Gesunden, also mit ausreichendem Abstand, entfernt wurde. Reicht der Tumor bis an den Schnittrand, kann eine Nachoperation nötig sein. Bei kleinen, gut zugänglichen Tumoren genügt oft ein Eingriff in örtlicher Betäubung in der Praxis.
An heiklen Stellen wie im Gesicht, an Nase, Ohren oder Augenlidern kommt ein besonders gewebeschonendes Verfahren infrage, die mikrografisch kontrollierte Chirurgie, auch Mohs-Chirurgie genannt. Dabei wird der Tumor schrittweise entfernt und der Rand lückenlos unter dem Mikroskop kontrolliert, bis kein Tumorgewebe mehr nachweisbar ist. So lässt sich möglichst viel gesunde Haut erhalten.
Beim Melanom ab einer bestimmten Tumordicke wird häufig zusätzlich der Wächterlymphknoten untersucht, die sogenannte Sentinel-Lymphknoten-Biopsie. Es handelt sich um den ersten Lymphknoten im Abflussgebiet des Tumors. Findet sich dort kein Befall, ist das ein gutes Zeichen. Der Eingriff dient vor allem dazu, das Stadium der Erkrankung genauer zu bestimmen, und hilft, die weitere Behandlung zu planen.
Warum die Gewebeuntersuchung so wichtig ist
Erst die feingewebliche Untersuchung sichert die Diagnose und zeigt, ob der Tumor vollständig entfernt wurde. Bewahren Sie den schriftlichen Befund gut auf. Er ist die Grundlage für die weitere Behandlung und für die Nachsorge.
Strahlentherapie: wenn nicht operiert werden kann
Nicht jeder Hautkrebs lässt sich operieren, und nicht immer ist eine Operation der beste Weg. Hier kommt die Strahlentherapie ins Spiel. Sie nutzt energiereiche Strahlung, um Tumorzellen gezielt zu schädigen und am Wachstum zu hindern. Für die Betroffenen ist die Bestrahlung selbst schmerzfrei. Sie wird meist über mehrere Sitzungen verteilt.
Sinnvoll sein kann eine Bestrahlung zum Beispiel dann, wenn ein Tumor ungünstig liegt und eine Operation ein sehr großes oder entstellendes Ergebnis hätte, oder wenn ältere oder schwer kranke Menschen einen größeren Eingriff meiden möchten. Auch wenn sich ein Tumor nicht vollständig entfernen ließ, kann die Bestrahlung ergänzend zum Einsatz kommen. In manchen Situationen wird sie nach der Operation angeschlossen, um das Rückfallrisiko zu senken. Fachleute sprechen dann von einer adjuvanten Bestrahlung.
Beim fortgeschrittenen Melanom hat die Strahlentherapie einen etwas anderen Stellenwert. Hier wird sie unter anderem genutzt, um einzelne Absiedlungen zu behandeln oder Beschwerden zu lindern, etwa bei Metastasen in Knochen oder im Gehirn. Wie bei jeder Behandlung wägt das Behandlungsteam Nutzen und mögliche Nebenwirkungen sorgfältig gegeneinander ab und bezieht Sie in die Entscheidung ein.
Bestrahlung ist kein Verlegenheitsverfahren
Auch wenn die Operation bei Hautkrebs meist im Vordergrund steht, ist die Strahlentherapie eine anerkannte und wirksame Option. Bei bestimmten Tumoren und Lebenssituationen kann sie sogar die schonendere Wahl sein.
Örtliche Verfahren bei hellem Hautkrebs
Heller Hautkrebs, vor allem das Basalzellkarzinom, wächst meist langsam und bildet nur sehr selten Tochtergeschwülste. Bei oberflächlichen Formen und bei Vorstufen wie der aktinischen Keratose stehen deshalb neben der Operation schonende, örtliche Verfahren zur Verfügung, die ohne Skalpell auskommen.
Dazu gehören Cremes, die über mehrere Wochen aufgetragen werden und entweder die Abwehr der Haut anregen oder das Zellwachstum hemmen. Bei der photodynamischen Therapie wird eine lichtempfindliche Substanz aufgetragen und die Stelle anschließend mit einer speziellen Lampe bestrahlt, wodurch veränderte Zellen zerstört werden. Weitere Möglichkeiten sind die Vereisung, die Kryotherapie, und das Abtragen der veränderten Haut, die Kürettage.
Welches Verfahren passt, hängt von der Tumorart, der Ausdehnung und der Lage ab. Örtliche Behandlungen haben den Vorteil, dass sie größere Flächen abdecken können und oft narbenarm sind. Ihr Nachteil: Anders als bei der Operation liegt kein Gewebe für die mikroskopische Untersuchung vor. Deshalb sind eine sichere Diagnose vorab und eine gute Kontrolle danach besonders wichtig.
Vorstufen ernst nehmen
Aktinische Keratosen sind raue, oft rötliche Hautstellen, die durch jahrelange UV-Belastung entstehen und in einen hellen Hautkrebs übergehen können. Werden sie früh behandelt, lässt sich dieser Übergang in vielen Fällen verhindern.
häufigsteKrebsart in DeutschlandHeller Hautkrebs ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts die häufigste Krebserkrankung in Deutschland.
Immuntherapie: das körpereigene Abwehrsystem stärken
Die vielleicht größten Fortschritte der letzten Jahre gab es bei der Behandlung des fortgeschrittenen schwarzen Hautkrebses. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Immuntherapie. Ihr Grundgedanke: Der Körper besitzt mit dem Immunsystem eine eigene Abwehr gegen entartete Zellen. Tumorzellen können dieses System jedoch ausbremsen und sich so der Abwehr entziehen. Genau hier setzt die Immuntherapie an.
Die wichtigste Gruppe von Medikamenten sind die sogenannten Immun-Checkpoint-Hemmer. Checkpoints sind eine Art Bremse des Immunsystems, die normalerweise verhindert, dass die Abwehr gesundes Gewebe angreift. Tumoren nutzen diese Bremse für sich aus. Checkpoint-Hemmer lösen sie, sodass die körpereigenen Abwehrzellen den Tumor wieder erkennen und bekämpfen können. Zu den angesteuerten Bremspunkten gehören unter anderem die als PD-1 und CTLA-4 bezeichneten Moleküle.
Immuntherapien werden meist als Infusion verabreicht. Sie können auch nach der vollständigen Operation eines Melanoms mit höherem Rückfallrisiko eingesetzt werden, um die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls zu verringern. Weil die Behandlung das Immunsystem aktiviert, kann sie auch gesundes Gewebe betreffen. Mögliche Nebenwirkungen reichen von Hautausschlag über Darmbeschwerden bis zu Entzündungen an Organen wie der Schilddrüse. Sie werden engmaschig überwacht und lassen sich in vielen Fällen gut behandeln.
Wichtig zu wissen: Die Immuntherapie wirkt nicht bei allen Menschen gleich, und ihr Erfolg lässt sich im Einzelfall nicht sicher vorhersagen. Nach Angaben des Krebsinformationsdienstes des DKFZ haben diese Behandlungen die Aussichten beim fortgeschrittenen Melanom dennoch deutlich verbessert. Ob und wie sie infrage kommen, klärt das Behandlungsteam individuell mit Ihnen.
Nebenwirkungen früh ansprechen
Melden Sie neue Beschwerden während einer Immuntherapie immer Ihrem Behandlungsteam, auch wenn sie zunächst harmlos wirken. Manche Nebenwirkungen entwickeln sich schleichend und lassen sich früh erkannt deutlich besser in den Griff bekommen.
Zielgerichtete Therapie beim fortgeschrittenen Melanom
Neben der Immuntherapie hat sich beim fortgeschrittenen Melanom eine zweite moderne Behandlungsform etabliert: die zielgerichtete Therapie. Sie richtet sich nicht gegen das Immunsystem, sondern setzt direkt an bestimmten Schaltstellen im Inneren der Tumorzelle an, die das Wachstum antreiben.
Voraussetzung ist, dass der Tumor eine passende Veränderung im Erbgut trägt. Bei einem Teil der Melanome findet sich zum Beispiel eine Veränderung im sogenannten BRAF-Gen, die das Zellwachstum dauerhaft anschaltet. Medikamente, die gezielt an diesem und an einem weiteren Schaltpunkt, dem MEK, ansetzen, können das Wachstum solcher Tumoren bremsen. Ob eine zielgerichtete Therapie möglich ist, klärt deshalb eine Untersuchung des Tumorgewebes auf solche Veränderungen, die Mutationstestung.
Zielgerichtete Medikamente werden in der Regel als Tabletten eingenommen. Sie wirken oft rasch, können mit der Zeit aber an Wirkung verlieren, wenn der Tumor Wege findet, die Blockade zu umgehen. Auch hier treten Nebenwirkungen auf, etwa Fieber, Gelenkbeschwerden oder Hautveränderungen. Welche Reihenfolge und Kombination von Immun- und zielgerichteter Therapie im Einzelfall sinnvoll ist, ist Gegenstand der ärztlichen Beratung und richtet sich nach Ihrer persönlichen Situation.
Was die Mutationstestung bedeutet
Die Untersuchung des Tumorgewebes auf bestimmte Veränderungen entscheidet mit darüber, welche Medikamente wirken können. Sie ist heute ein fester Bestandteil der Behandlungsplanung beim fortgeschrittenen Melanom.
BRAFeine wichtige ZielstrukturTrägt ein Melanom eine BRAF-Veränderung, kann eine zielgerichtete Therapie infrage kommen.
Nachsorge: warum es nach der Behandlung weitergeht
Mit dem Ende der eigentlichen Behandlung ist die Erkrankung meist noch nicht endgültig abgeschlossen. Die Nachsorge begleitet Betroffene über Jahre. Sie dient dazu, einen Rückfall oder einen neuen Hautkrebs früh zu erkennen, Nebenwirkungen im Blick zu behalten und offene Fragen zu klären. Wie engmaschig die Kontrollen sind, hängt von der Art und dem Stadium des Tumors ab.
Wer einmal Hautkrebs hatte, trägt ein höheres Risiko, erneut zu erkranken. Umso wichtiger sind regelmäßige Hautkontrollen beim Facharzt und die eigene, aufmerksame Beobachtung der Haut. Die Selbstuntersuchung nach der ABCDE-Regel und ein konsequenter Sonnenschutz gehören für viele Betroffene fest zum Alltag nach der Behandlung.
Neben den körperlichen Aspekten spielt auch die seelische Seite eine Rolle. Eine Krebsdiagnose und ihre Behandlung können belasten. Viele Kliniken und Beratungsstellen bieten psychoonkologische Unterstützung an. Scheuen Sie sich nicht, dieses Angebot zu nutzen und Fragen im Nachsorgegespräch offen anzusprechen.
Die Nachsorge aktiv mitgestalten
Notieren Sie Veränderungen und Fragen zwischen den Terminen. Fotos von auffälligen Stellen helfen, den Verlauf zu vergleichen. So wird das Nachsorgegespräch für beide Seiten hilfreicher.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel bietet allgemeine, sorgfältig recherchierte Informationen zur Behandlung von Hautkrebs. Er kann und soll das persönliche Gespräch mit Ärztin oder Arzt nicht ersetzen. Welche Therapie im Einzelfall die richtige ist, lässt sich nur nach einer genauen Untersuchung und unter Berücksichtigung Ihrer gesamten Situation beurteilen.
Wenn Sie an sich eine verdächtige Hautveränderung bemerken oder unsicher sind, warten Sie nicht ab, sondern lassen Sie das ärztlich abklären. Je früher Hautkrebs erkannt wird, desto schonender lässt er sich in vielen Fällen behandeln.
Kein Ersatz für ärztlichen Rat
Die Inhalte dieses Ratgebers dienen der allgemeinen Information und der Früherkennung. Sie stellen keine Diagnose dar und ersetzen keine ärztliche Beratung, Untersuchung oder Behandlung. Bei Beschwerden oder Fragen wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.